Warum?

Initiative 25. November

Unerhört.

Unerhört nennt sich diese Website, die etwas sichtbar und hörbar machen will. Bisher Un-Erhörtes oder wenig Gehörtes von Musiker*innen aus allen Epochen und Genres. Und das Unerhörte, das im Kontext von Musik als Beruf auftritt: Diskriminierung, Gewalt, Exklusion, Abwertung.

In „Unerhört“ geht es um beides, denn beides gehört zusammen. 

Musik ist traditionell ein männlich dominiertes Geschäft. Männliche Komponisten werden als genialische Schöpfer, kraftvolle Eroberer und messianische Helden dargestellt, Komponistinnen dagegen als fleißig, pädagogisch und fürsorglich beschrieben und so mit den „weiblichen Tugenden“ assoziiert. Dem Idealtypus des „Tonschöpfers als mythisch prometheisches, aus dem Nichts Neues schaffendes Genie“ (Elisabeth Treydte, 2016) wird die weibliche Komponistin als defizitär gegenübergestellt. Es sind die männlichen Künstler, aber auch die männlichen Interessen und Geschmäcker, die den Kanon prägen und das Business bestimmen. Das gilt nicht nur für die längst abgelagerte Geschichte der europäischen Kunstmusik, sondern ebenso für populäre Musik der jüngeren Geschichte oder der Gegenwart. Der amerikanische Musiker und Forscher Elijah Wald erfasst dieses gleichermaßen historiografische wie gegenwärtige Problem in einem pointierten Satz: „The typical consumer of Western popular music is a teenage girl who likes to dance, while the typical critic or scholar is a man who had no dates in high school.“ (Elijah Wald, 2014).

Die Nicht-Repräsentation von Frauen und die Abwertung ihrer Interessen, ihrer Sichtweisen, ihrer Leistungen ist eine Folge, aber auch ein Garant für männliche Hegemonie und strukturelle Diskriminierung. Dies prägt den beruflichen Alltag von Frauen in der Musik, von der Ausbildung bis zur Top-Karriere. Dass Frauen noch immer eine Minderheit mit schlechteren Karriere-Chancen sind und die Möglichkeit von Übergriffen und Angriffen zu ihrem künstlerischen Alltag gehört, ist „Unerhört“.

Die Website ist ein Ort, der zu diesem Thema Statements und Daten, aber auch künstlerische Arbeiten versammelt, der Werke von Frauen zeigt und auf sie verweist und sie so hörbar und sichtbar machen will.